Lehre

Dozent für Wirtschaftsinformatik und BWL, KI und Gesellschaft

Dr. Gerald Fricke: KI als Schlüsselkompetenz der nächsten Gesellschaft

Lernen durch Lehren – mit KI und Wissens-Nuggets

Als ich vor einigen Jahren begann, in meinen Lehrveranstaltungen auf „Lernen durch Lehren“, Pecha Kucha und Blended Learning zu setzen, war die Grundidee einfach: Studierende lernen nachhaltiger, wenn sie Wissen nicht nur konsumieren, sondern selbst strukturieren, präsentieren, diskutieren und dokumentieren. 

In meiner Vorlesung an der TU Braunschweig entstanden daraus Pecha-Kucha-Vorträge (20 Folien á 20 Sekunden), die gemeinsam vorbereitet, öffentlich dokumentiert und im Web weiterentwickelt wurden. Aus einzelnen Referaten entstand Schritt für Schritt ein multimediales Vorlesungsskript. Nicht der Dozent allein vermittelte Wissen – die Lehr-Lerngemeinschaft war gemeinsam gefordert. 

Wie entwickelt man diese Idee im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz weiter?

An der WelfenAkademie in Braunschweig habe ich darauf eine erste Antwort gefunden: Mit Wissens-Nuggets. Die Aufgabe der Studierenden ist bewusst kompakt: In fünf Minuten ein Nerd-Thema, in dem sie sich besonders gut auskennen und das wir im besten Fall für ein gemeinsames Projekt einsetzen können, verständlich, wissenschaftlich fundiert und anschaulich erklären. Sie dürfen dabei KI-Werkzeuge wie ChatGPT, Claude oder Gemini ausdrücklich einsetzen. 

Entscheidend ist jedoch: KI ersetzt nicht das Denken. Die eigentliche Leistung besteht darin, Informationen kritisch einzuordnen, gute Quellen auszuwählen, Argumente zu strukturieren, Inhalte verständlich aufzubereiten, die Ergebnisse überzeugend zu präsentieren und den eigenen KI-Einsatz transparent zu reflektieren. 

Deshalb fließen sowohl der Prozess als auch das Ergebnis der KI-Nutzung in die Bewertung ein. Gleichzeitig bleiben Analysefähigkeit, wissenschaftliche Argumentation und eigene Schlussfolgerungen die Kernleistung der Studierenden.

Ich meine, dass genau darin die Kompetenz für die nächste Gesellschaft liegt. 

In einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind, wird nicht mehr entscheidend sein, wer etwas weiß, sondern wer Wissen einordnen, erklären und weitergeben kann.  Lernen durch Lehren bekommt durch KI deshalb keine Konkurrenz – sondern eine neue Dimension. Aus klassischen Referaten werden kleine, hochwertige Wissens-Nuggets. Aus der Nutzung von KI wird kein Abkürzungsversuch, sondern Anlass zur Reflexion. 

An der WelfenAkademie in Braunschweig habe ich als Dozent für Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre gearbeitet, die Module der Wirtschaftsinformatik gestaltet und die professorale Lehre im Studiengang. Der Austausch mit Studierenden, Hochschulen, Bildungsträgern und Unternehmen ist mir besonders wichtig – denn die besten Projekte entstehen gemeinsam.

Wirtschaftsinformatik für Gesellschaftskompetenz

Die Wirtschaftsinformatik gehört bis 2030 zu den Schlüsselfächern. Sagt auch das World Economic Forum, in seinem „Future of Jobs Report 2025“. Bis 2030 werden sich rund 39 % der Kernkompetenzen in bestehenden Jobs verändern. Treiber sind vor allem KI, Big Data, Automatisierung und digitale Technologien.

Zu den am schnellsten wachsenden Skills zählen laut WEF
➡️ AI & Big Data
➡️ Technological Literacy
➡️ Analytisches und systemisches Denken
➡️ Verständnis komplexer sozio-technischer Systeme

Oder anders gesagt: Gesucht sind keine reinen Technologen und keine reinen Betriebswirte, sondern integrierte Denker, die Technologie wirtschaftlich einordnen und gestalten können.

Genau diesen Alltag erlebe ich aktuell in meiner Lehre an der WelfenAkademie. Studierende arbeiten an realen Digitalisierungs-Cases, an der Schnittstelle von BWL, IT und Gesellschaft.

Die Wirtschaftsinformatik bietet mit Digital Business Management ein Integrationsfach für die digitale Gesellschaft an.

Digital Business Management für die KI-Gesellschaft

Digital Business Management verbindet technologische Innovation mit wirtschaftlichen Geschäftsmodelle in einer vernetzten Gesellschaft. Die Wirtschaftsinformatik bringt die Erweiterte Intelligenz in die Unternehmen: Die Verbindung aus neuen Produkten, Digitalen Services (mit AR- und VR-Technologien), neuen Communities und einer besseren Kundenbindung.

Mehr als „Stoff pauken“ – Wirtschaftsinformatik in der Lehre

An der WelfenAkademie in Braunschweig habe ich als modulverantwortlicher Dozent im Studiengang Wirtschaftsinformatik und für Studierende der Betriebswirtschaft unterrichtet – mit viel Raum für Diskussion, Projektarbeit und Reflexion.

In „Wirtschaftsinformatik im Unternehmen“ ging es mir um die Rolle von Informationssystemen, digitale Geschäftsprozesse und Innovationsmanagement. In „Technologische Grundlagen des E-Business“ analysierten wir die Entwicklung vom Web 2.0 bis zur Plattform- und KI-Ökonomie. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Veranstaltung „Projektrealisierung“. im Sommer 2026 wurde mit dem WelfenHub 2.0 ein dreisemestriges Projekt (App und VR-Rundgang) abgeschlossen – von der Idee bis zur lauffähigen Anwendung, präsentiert und diskutiert in einem professionellen Rahmen.

In der Veranstaltung „Gesprächsführung“ ging es mir darum, Kommunikation als gestaltbares Handwerk erfahrbar zu machen – vom aktiven Zuhören über Empathie bis zur Kommunikation als Führungskraft.  In der Vertiefung „Digitale Transformation zur Nachhaltigkeit und Plattform-Ökonomie“ arbeitete ich mit einer Studierendengruppe an zukunftsorientierte Plattformkonzeptem – von der Idee bis zum technischen Grobkonzept, präsentiert und diskutiert, wie in einem Pitch. Für mich zeigt dieses Format exemplarisch, worum es im dualen Studium geht: Verantwortung zu übernehmen – für Organisationen und Unternehmen, digitale Infrastrukturen und für die nächste Gesellschaft. 

Vorlesungen und Veranstaltungen an der WelfenAkademie (2024 bis 2026)

Wirtschaftsinformatik im Unternehmen

  • Einführung in die Grundlagen der Wirtschaftsinformatik
  • Rolle der Informationssysteme in Unternehmen
  • Bedeutung der Digitalen Transformation für Unternehmen

Technologische Grundlagen im E-Business

  • Technologische, ökonomische, kulturelle und gesellschaftliche Grundlagen
  • E-Business und Plattform-Ökonomie
  • E-Business mit KI
  • Marketing und Themenkommunikation
  • Kreativät, Strategien und Innovationen

Projektrealisierung

  • Praktische Erfahrung: Innovative IT-Projekte von der Idee bis zur Realisierung
  • Teamarbeit und Projektmanagement: Die Idee umsetzen
  • Technische Kompetenz: Einsatz moderner Technologien und KI-gestützter Werkzeuge
  • Kreativität und Problemlösung: Entwicklung kreativer Lösungen für die Nutzer

Soft Skills – Gesprächsführung 

„70% der Konflikte in Unternehmen entstehen durch Missverständnisse.“

  • Grundlagen der Kommunikation
  • Aktives Zuhören und Empathie
  • Kommunikation als Führungskraft

Social Engineering

  • Einführung in Social Engineering
  • Angriffstechniken und Schwachstellenanalyse
  • Abwehrstrategien und Resilienz

Lehre zur kooperativen Webgesellschaft

Ich forsche und lehre über die Große Transformation zur Webgesellschaft. Dabei verbinde ich die Sozialwissenschaften mit der Wirtschaftsinformatik und stützte ich mich auf meine umfassenden Beratungs-, Projekt- und Agenturerfahrungen. Mir geht es darum, den digitalen Wandel und eine gute nachhaltige Entwicklung zu gestalten. Der Übergang von einer Massengesellschaft zu einer Webgesellschaft hat bedeutende Auswirkungen auf die Politik, die Demokratie und die Unternehmen. Mit diesen Herausforderungen können wir am besten umgehen, wenn wir die Geschichte einer neuen Kooperation in der Webgesellschaft erzählen.

Dr. Gerald Fricke

Wir erzählen die Geschichte der Webgesellschaft – im Hörsaal und im Social Web. Mit PechaKucha-Kurzvorträge (20 Folien á 20 sec, insgesamt 6:40 min), Blended Learning und einem ‘Lernen durch Lehren’-Konzept erschließen sich die Studierenden verschiedene Aspekte der Digitalen Transformation zu einer kooperativen Webgesellschaft.

Dr. Gerald Fricke über das didaktische Konzept seiner Vorlesung an der TU Braunschweig (2016).
“Wie sozial ist digital?” – Interview mit Gerald Fricke. Haus der Wissenschaft, Braunschweig (2014)
„Ich bin gerne Dozent“, Interview in der Braunschweiger Zeitung (2014)
Lehrpreis (2016)

Themen und Projekte an der Hochschule Darmstadt (Lehrauftrag WS 2020/21)

  • Nachhaltigkeit für die Smart City – „My Ecological Foodprint“, Literatur, Konzepte und Beispiele
  • Mobilitätskonzepte – Technischer Stand, Konzepte, Beispiele
  • AR- und VR-Anwendungen für Städte und das Stadtmarketing
  • Smart Food – Digital Index für die Lebensmittelbranche, Ökosystem undDigitales Weinprobieren
  • Kultur in der Smart City – Beteiligung der Stadtgesellschaft undGeschäftsmodelle für die Veranstaltungsbranche

Seminare und Themen an der TU Braunschweig (2008 – 2016, Auswahl)

  • Plattformökonomie und digitale Geschäftsmodelle
  • Strukturwandel der Öffentlichkeit und Social Media
  • Nachhaltigkeit und Webgesellschaft
  • Innovationsmanagement und Digitale Transformation
  • Blended Learning und kooperative Lernformen